Folgen des Euros als Einheitswährung

Folgen des Euros als Einheitswährung

Hierzulande ist die Eurokrise auf den ersten Blick nicht mehr spürbar. Exportorientierte Firmen in Deutschland profitieren besonders vom niedrigen Euro. Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung ist er unterbewertet. Dass allerdings Importe nach Deutschland teurer werden, die Kaufkraft der Bürger sinkt und die Zinsen auf Sparguthaben Geschichte sind, wird oftmals unterschlagen. Es handelt sich dabei um nichts anderes als um eine schleichende Enteignung der Bürger. Zudem wird mit dem Euro in der heutigen Form die deutsche Binnenwirtschaft erheblich geschwächt. Doch sogar wenn Deutschland diese Nachteile in Kauf nehmen möchte – was für eine Mehrheit der Bürger eher nicht anzunehmen ist –, schadet der Euro massiv anderen Staaten insbesondere der EU. Italiens Bankenkrise oder die schwelende Staatspleite Griechenlands sind hierfür beispielgebend. Auch die Forderung nach Protektionismus in Frankreich oder den USA sind Erscheinungen, um sich vor den Verzerrungen durch eine Einheitswährung zu schützen. Stärker wie nie zuvor ist der Euro für einige Länder zu schwach, also eine Subventionierung ihrer Wirtschaft, und für die anderen zu stark, also eine Belastung ihrer Finanzen.

Die zunehmenden Spannungen sind subtiler als zuvor. Die Liquiditätsmaßnahmen der EZB und Rettungspakete überdecken die Probleme. Bestimmte Kennzahlen markieren aber vor diesem Hintergrund immer weitere Rekordstände. Die aktuellen Target2-Salden der Bundesbank belaufen sich auf 830 Milliarden Euro. Der Außenhandelssaldo belief sich im Jahr 2016 auf 252 Milliarden Euro. Diese Zahlen belegen die wirtschaftlichen Spannungen. Die Target2-Salden sind praktisch zum Krisenindikator des Euros geworden. Und den Rekorden fehlt es nicht an Brisanz, wenn man sich ihre Zuwachsraten ansieht.

Seit Vollendung der Europäische Wirtschafts- und Währungsunion mit der Gründung der EZB und Festlegung der Wechselkurse zum Euro im Jahr 1999 hatte der deutsche Exportüberschuss eine Steigerung um insgesamt 287 Prozent. Die Target2-Salden hatten sogar eine Steigerung um 2.241 Prozent. Allein zwischen Ende 2009 und Ende 2010, dem ersten Jahr der Staatsschuldenkrise als das Haushaltsdefizit Griechenlands auf umstrittene 12 Prozent des BIP gestiegen war, gab es eine Steigerungsrate um 82 Prozent. Drei Prozent Haushaltsdefizit sind in den Mastricht-Kriterien festgelegt.

Mit einem Austritts Griechenland aus der Eurozone, ob vorübergehend oder nicht, wäre es nicht so weit gekommen. Jetzt fallen Rekorde um Rekorde und es ist umstritten, wie mit den Target-Salden im Falle einer Staatsinsolvenz oder eines Ausscheidens aus dem Euro verfahren werden soll. Eigentlich müssten Verluste entsprechend den Kapitalanteilen auf die Eigentümer verteilt werden. Das birgt Konfliktpotenzial.

Deutschland sollte durch gezielte Investitionen, die zu einem Waren-, Dienstleistungs- und Vermögenstransfer von den Target-2-Schuldnerländern nach Deutschland führt zumindest dieses Problem entschärfen. Noch ist es nicht zu spät!

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